Deniz Utlu

Stadtbücherei Frankenthal Welschgasse 11 67227 Frankenthal

Deniz Utlu wurde 1983 als Sohn türkischer Einwanderer in Hannover geboren. Nach einem VWL-Studium in Berlin und Paris lebt er heute als freier Autor in Berlin und ist Herausgeber des Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext. Seit 2000 rezitierte er seine Texte auf Lesebühnen überall in Deutschland. Außerdem kuratierte er Lesereihen im Ballhaus Naunynstraße und in der Werkstatt der Kulturen in Berlin. Er erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, u.a. das Stipendium der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums (2006)und das Stipendium des Senats für Berliner Autoren (2011). „Die Ungehaltenen“ ist sein erster Roman.

„Ich saß schließlich frisch rasiert, in Anzug und Mantel auf dem Sofa, die Beine ausgestreckt auf dem Tisch. Gleich sollten in einer Fabrikhalle ein paar Hundert türkische Arbeiter und einige B-Promis sich gegenseitig feiern. Wir sind ja so multikulti. Und hinter dieser Fassade verwünschten alle zusammen diese fünfzig Jahre und jedes Jahr, das dazukam. Mein Vater lag in der Türkei begraben. Die Willkommensgrüße kamen zu spät.“ (Aus: Deniz Utlu: Die Ungehaltenen. Cop. Graf Verlag)

Moderation: Maike Lührs

In der Reihe europa_morgen_land wird neueste Literatur in deutscher Sprache vorgestellt. Die Erben Chamissos - LIterate, die deutsch schreiben, obwohl ihre erste Sprache nicht die deutsche war - sind aus der deutschsprachigen Literatur nicht mehr wegzudenken. Vielfalt ist auch hier ein Normalzustand (geworden). Die Dynamik der Globalisierung zeigt sich in unendlichen Facetten in jeder Region, in jeder Kunst. Wanderungen, Migrationen prägen weltweit die Gesellschaften. Austausch, Begegnung, Konfrontation und Vermischung sind treibende Kräfte gesellschaftlicher Entwicklungen. Die Lesereihe macht europäische Perspektiven deutlich und zeichnet nach, wie nationale Grenzen ihre Bedeutung verlieren.
Mit dem Rahmen der Lesungen wird an die Tradition des „Literaturcafés“ angeknüpft, Xdes Salons,X in dem man sich trifft zum Zuhören und zum Gespräch. XDer Austausch findet statt!X Wir laden Sie ein zur Entdeckung und Austausch neuster Literatur.

Eintritt: jeweils 6,- / 4,- € (ermäßigt)

Veranstalter
Kulturamt Mannheim und Kulturbüro Ludwigshafen in Kooperation mit den Vereinen KulturRhein Neckar e.V. und KulturQuer QuerKultur Rhein-Neckar e.V. sowie die Stadtbücherei Frankenthal

Jagoda Marinic

Kulturzentrum dasHaus, Bahnhofstraße 30, 67059 Ludwigshafen

Jagoda Marinic wurde als Tochter kroatischer Eltern 1977 in Waiblingen geboren. In Heidelberg studierte sie Germanistik, Politikwissenschaft und Anglistik. Sie erhielt 1999 ein Hermann-Lenz-Stipendium und 2003 den Förderpreis der Kunststiftung Baden-Württemberg. Ihr erstes Buch mit Erzählungen, 'Eigentlich ein Heiratsantrag', veröffentlichte Sie im Jahr 2001, für ihren 2005 erschienenen Erzählband 'Russische Bücher' wurde sie mit dem Grimmelshausen-Förderpreis ausgezeichnet. Sie ist seit 2012 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Nach Aufenthalten in Zagreb, Split, New York und Berlin lebt und arbeitet Jagoda Marini heute in Heidelberg. Neben Essays und Erzählungen verfasst sie Theaterkritiken, schreibt als Kolumnistin und engagiert sich als Rednerin zu Migrationsfragen. Seit 2012 leitet sie das 'Interkulturelle Zentrum in Gründung' in Heidelberg.

» Sie war nicht einmal zwei, da machte er den genetischen Schneetest mit ihr: Er nahm sie mit auf die Straße, hielt sie den Flocken entgegen und rief Snig — das dalmatinische Wort für Schnee. Snig‚ Mijo. To ti je snig. »Das hier, das ist dir Schnee, Mijo.« Im Kroatischen steht selten etwas für sich, ist einfach so, immer ist es dem Menschen, alles ist ein Dativ, alles auf dieser Welt ist für jemanden. Mija bückte sich, fasste mit ihren Kinderhänden in den kalten Schnee und schaffte es nicht, sich wieder aufzurichten. Er sah ihr zu, wie sie ganze fünf Sekunden still hielt, bevor sie zu schreien begann. «
(Aus: Restaurant Dalmatia. Roman. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2013)

Die „neueste Literatur in deutscher Sprache“ der Reihe europa_morgen_land überschreitet Grenzen. Viele der vorgestellten Werke sind von mehrsprachigen Autorinnen und Autoren, die deutsch schreiben, auch wenn ihre erste Sprache meist nicht Deutsch war. Diese Erben Chamissos sind aus der deutschsprachigen Literatur nicht mehr wegzudenken. Vielfalt ist auch hier ein Normalzustand (geworden). Die Dynamik der Globalisierung zeigt sich in unendlichen Facetten und in jeder Region, in jeder Kunst. Wanderungen, Migrationen prägen weltweit die Gesellschaften. Austausch, Begegnung, Konfrontation und Vermischung sind treibende Kräfte gesellschaftlicher Entwicklungen. Die Lesereihe macht europäische Perspektiven deutlich und zeichnet nach, wie nationale Grenzen ihre Bedeutung verlieren.
Mit dem Rahmen der Lesungen wird an die Tradition des „Literaturcafés“ angeknüpft, des Salons, in dem man sich zum Zuhören und zum Gespräch trifft.

Moderation: Semira Soraya-Kandan

Veranstalter: