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Dokumentation liegt vor: Höhenflüge – Literatur und Migration in Europa

10. Mai 2006 @ 0:00

Nach fünf Jahren gutenMORGENdeutschLAND und zum denkwürdigen Jubiläum ’50 Jahre Arbeitsmigration‘ im Jahre 2005 entschieden sich die Veranstalter, das Thema ‚Literatur und Migration‘ in einer Fachtagung am 19 . und 20. Januar 2006 im Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen zu vertiefen. Die Auseinandersetzung mit der „neuesten deutschen Literatur“ hatte neugierig gemacht auf literarische Entwicklungen außerhalb Deutschlands. Die Einwanderungssituationen und -geschichten der europäischen Länder sind sehr unterschiedlich, für viele Einwanderer in Frankreich und Großbritannien oder auch Spanien ist die erste Sprache die Landessprache. Ein englisches Pendant zum Chamisso-Preis wird es z.B. für Zadie Smith nicht geben können. Dennoch hat auch im gesamten europäischen Raum die Literatur der Migration und die Literatur von Einwanderern eine besondere Bedeutung. Ihr nachzuspüren war das Ziel der Fachtagung HÖHENFLÜGE – LITERATUR UND MIGRATION IN EUROPA.

Der Titel ist auf Salman Rushdie zurückzuführen
„…ich neige zu der Theorie, dass die Ressentiments, die wir mohajirs hervorrufen, mit unserer Bezwingung der Schwerkraft in Zusammenhang stehen. Wir haben das vollbracht, wovon alle Menschen träumen, das, worum sie die Vögel beneiden, das heißt: wir sind geflogen!“
(Salman Rushdie. „Scham und Schande“)

Mit Vorträgen, Lesungen und Diskussionen gab die Fachtagung die Möglichkeit, auf die Eigenheiten neuester europäischer Literaturen einzugehen.
Die „Höhenflüge“ begannen mit Schullesungen. Eine Lesereise am Abend vor der Fachtagung mit Stationen im Turm der Konkordienkirche und im Kulturzentrum Alte Hauptfeuerwache in Mannheim und im Friedrich-Engelhornhaus in Ludwigshafen stimmte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestens auf das Thema der Fachtagung ein. Frank Albers eröffnete die Fachtagung mit einem Überblick über das beachtliche Engagement der Robert-Bosch-Stiftung und die Geschichte des Adelbert von Chamisso-Preises. Am Beispiel von Dimitré Dinev zeigte Jochen Hörisch auf, wie Entfremdungs- und Grenzüberschreitungsprosa im Zeitalter der Globalisierung eine andere „Tonlage“ bekommen. Gleich für zwei Perspektiven stand Eleni Torossi. Als Autorin und als Journalistin war und ist sie sowohl Agierende wie Betrachtende. Sie berichtete aus unmittelbarer persönlicher Erfahrung von der Entwicklung der Betroffenheitsliteratur der frühen Jahre zur arrivierten Literatur nach der Jahrtausendwende, über die Ankunft im Feuilleton. Ihr Plädoyer richtet sich auf die Vermittlungspotenz literarischer Arbeit. Olaf Hahn beleuchtete mit beachtlicher Detailkenntnis die Einwanderungssituation im postkolonialen Frankreich und auch er entdeckt in der littérature beurre neben der Chance zur Selbstvergewisserung die Möglichkeit zur Verständigung in einer heterogenen Gesellschaft. James Procter beginnt seinen Beitrag mit einem deutlichen Hinweis darauf, dass nicht die weltläufigen Reisenden wie Salman Rushdie und S.S. Naipaul die Einwanderungsgesellschaft prägen, sondern Migranten in Vorortzügen zu ihren wenig entfernten Arbeitsplätzen. In den „Tiefflügen jenseits von London“ erkennen wir unschwer die Fahrt von Dannstadt nach Friesenheim, von Lampertheim nach Neckarau. In den „dezentralisierten Diasporen“ ist die Provinz überall. Eine Orientierung nach Europa hin ist auch der Versuch, Migration als lokale Erfahrung in einen größeren Rahmen zu stellen. Der Blick auf Europa bietet die Chance, den Horizonte zu erweitern und Migration und die Veränderung der Gesellschaft als europäisches, ja globales Phänomen zu verstehen. Migration ist ein Globalisierungsphänomen, das nur in der Verknüpfung von Mikro- und Makroebenen verstanden werden kann. Unverzichtbar dabei ist Literatur und die Vielfalt der Geschichten über Grenzgänger – nicht nur der polyglotten Pendler zwischen „New York, Rio, Tokio“ sondern auch der Ausflüglerinnen nach Bradford, der Clandestinos auf Wiener Baustellen, der Tagelöhnerinnen auf den Gemüsefeldern der Pfalz.

Der Blick auf die Literatur in unterschiedliche europäische Länder hat die Veranstalter ermuntert, gutenMORGENdeutschLAND fortzusetzen. Der neue Titel gibt Auskunft über die Richtung: Europa_Morgen_Land.

Die Dokumentation der Fachtagung steht zum Download zur Verfügung.

Details

Datum:
10. Mai 2006
Zeit:
0:00
Veranstaltungskategorien:
,
Veranstaltung-Tags:

Veranstalter

Kultur Rhein Neckar e. V.
Telefon:
0621567266
E-Mail:
info@kulturrheinneckar.de
Veranstalter-Website anzeigen

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