Vortrag von Thomas Friedrich im Rahmen des Inselsommers 2008 in Ludwigshafen
Ein Warnung vorweg, ich muss Sie zuerst ein wenig durch die Hölle jagen, bevor ich Sie dann ins Paradies des Müßiggangs, der Ruhe und der Kontemplation überführe.
Der Vortrag fußt auf den methodischen Grundannahmen der Kritischen Theorie, so wie sie vor allem in der „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno und im „Eindimensionalen Menschen“ von Herbert Marcuse gefaßt wurden. Soweit die älteren Texte. Für die Analyse der gesellschaftlichen Situation heute beziehe ich mich - häufig implizit - vor allem auf die Bücher der Soziologen Wolfgang Engler („Bürger ohne Arbeit“) und Richard Sennett („Der flexible Mensch“) und die der Philosophen Michael Hardt und Antonio Negri („Empire“ und „Multitude“); außerdem beziehe ich mich auf die Homo Sacer Theorie von Giorgio Agamben.
Der Höllenteil des Vortrags
Marcuse hat im Vorwort des Buches Der eindimensionale Mensch 1964 folgendes festgestellt:
„Der Eindimensionale Mensch wird durchweg zwischen zwei einander widersprechenden Hypothesen schwanken: 1. daß die fortgeschrittene Industriegesellschaft imstande ist, eine qualitative Änderung für die absehbare Zukunft zu unterbinden; 2. daß Kräfte und Tendenzen vorhanden sind, die diese Eindämmung durchbrechen und die Gesellschaft sprengen können. Ich glaube nicht, daß eine klare Antwort gegeben werden kann. Beide Tendenzen bestehen nebeneinander – und sogar die eine in der anderen.“
Dieser Widerspruch gilt bis heute ungebrochen, ja bei genauer Sicht hat er sich erheblich verschärft. Ich werde im folgenden beide Thesen vor dem Hintergrund der heutigen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Situation eines globalen Kapitalismus nach der Systemkonkurrenz aktualisieren. Außerdem werde ich immer wieder zwischen der Situation der 1960er Jahre und der von 2008 springen, um so die Unterschiede von damals und heute deutlich zu machen.
Die technischen Entwicklungen seit Marcuses Tod
Was hier in den letzten vier Jahrzehnten zum Beispiel auf den Feldern der Automation von Arbeitsabläufen, der Computersimulation, dem Internet usw. passiert ist, ist beinahe unglaublich. Wenn Marcuse 1964 schrieb, „der Mensch vermag heute mehr als die Helden der Kultur und die Halbgötter“ (EM 76), dann gilt das heute noch viel mehr. Die Produktivkräfte sind ins Unermessliche gestiegen, was den Widerspruch zu den Produktionsverhältnissen extrem verschärft hat.
- Die heutige hohe Arbeitslosigkeit, nicht nur in Deutschland, ist notwendig sich ergebendes Resultat dieser technischen Rationalisierungsprozesse.







