Stadtspaziergang nach Chtoura

Mit dem Projekt Stadt-Spaziergang Ende 2015 haben Freiwillige in Ludwigshafen Flüchtlinge angesprochen, die in einer Notunterkunft mitten in der Stadt in großen Zelten untergebracht waren. Die Stadt-Spaziergänge halfen den Neu-Angekommenen, sich besser in Ludwigshafen zurecht zu finden. Gemeinsam mit Flüchtlingen wurde die Stadt entdeckt, auch für die deutschen Spaziergänger gab es Neues zu entdecken: die Bücherei, das Stadtmuseum, das Haus der Medienbildung, die Cafeteria der Hochschule, das Rathaus, ein Meditationszentrum, eine Bäckerei und andere Orte. Alle Spaziergänger erfuhren dabei auch mehr übereinander. „Ich habe mich der Spaziergangsgruppe angeschlossen, weil mich die Meldungen über die große Zahl der ankommenden Flüchtlinge beunruhigt und besorgt haben. Dagegen wollte ich etwas tun! Nach drei Spaziergängen bin ich völlig verblüfft: Die Begegnungen mit den jungen Geflüchteten sind ein Geschenk und es ist wunderbar, solche Erlebnisse zu teilen.“ (so M. F., Bankerin und Spaziergängerin). Das Wichtigste bei den Spaziergängen war es, einige gute Stunden zusammen zu erleben. Beim Besuch einer Kirche überraschte schon mal das spontane Spiel eines Flüchtlings an der Orgel. Sehr bald organisierten die Flüchtlinge mit und das Angebot „für“ wurde zum Projekt „mit“ Flüchtlingen.
Mehr als hundert Spaziergänge wurden von Kultur-Rhein-Neckar e.V. (KRN) zusammen mit der Hochschule Ludwigshafen am Rhein mit Geflohenen und engagierten Bürger*innen durchgeführt. Mit der Auflösung der Notunterkunft endeten diese Spaziergänge, es verschoben sich die Interessen und Zusammenhänge, neue Gruppen formierten sich bzw. Gruppenbildungen im Zelt lösten sich auf.
Auf Initiative einer Gruppe Stadtspaziergänger aus Syrien entwickelte sich die Idee, eine Flüchtlingsinitiative in Chtoura in der Bekaa-Ebene zu unterstützen. Freunde der Syrer, die es nach Deutschland geschafft hatten, hatten mit dem GHARSA-Projekt auf die Notlage in den Flüchtlingscamps dort reagiert. Viele Flüchtlingskinder dort haben keinen Zugang zu Schulbildung. Es fehlt an den finanziellen Mittel für den Schulbesuch. Schon allein das Geld für den Schulbus kann von den Flüchtlingsfamilien oft nicht bezahlt werden. Der Schulbesuch in den libanesischen Schulen scheitert aber auch an den vorausgesetzten Sprachkenntnissen. Im Libanon werden die wichtigsten Fächer in englischer oder französischer Sprache unterrichtet – diese Voraussetzung haben die syrischen Kinder nicht. Das Team GHARSA versucht, hier zu helfen. GHARSA heißt auf Deutsch: Setzling, Sprössling, ein junge Pflanze. Die engagierten Pädagogen verstehen sich als diejenige, die dieser Pflanze beim Wachsen helfen. Ihre Pädagogik orientiert sich am Recht der Kinder auf Bildung und Frieden. Der Ansatz ist ganzheitlich, Elternarbeit ist hier wichtig. Informationen zu Kinderrechten, Aufklärung über das Elend von Kinderehen und Gesundheitserziehung gehören genauso wie digitale Bildung zum Angebot von GHARSA. Das informelle Projekt wurde seit seiner Gründung 2013 von women-now, trocair, carfoursowie kids for kids unterstützt. Insbesondere women-now ist dabei besonders an der Förderung von Frauen interessiert.

FÜRCHTET EUCH NICHT

Im Rahmen des deutsch-russischen Kulturaustauschprojektes „Quattrologe“ präsentiert KRN in Kooperation mit der Stadt Baden-Baden vom 11. März bis zum 31. März im Alten Dampfbad Baden Baden die Ausstellung „Fürchtet euch nicht“

Olga Egerova und Oleg Korchagin aus Sotschi werden zu Gast in der Kurstadt sein und gemeinsam mit den deutschen Künstlern Eugenia Jäger,
Brigitte von Stebut und Ulrich Thul ihre Werke präsentieren.

Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 10. März, 19 Uhr durch Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Eleonore Hefner, Vorsitzende Kultur Rhein Neckar e.V.; begleitet an der Gitarre von Claus Boesser-Ferrari.