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Künstlergespräch

13. März @ 17:00 - 18:00

Eric Carstensen und Michael Volkmer arbeiten mit superart.tv nun schon sein über zwanzig Jahren zusammen. Die Videokunst, die sie aktuell auch in der Lukaskirche zeigen stammt aus der Anfgangszeit des Duo – und ist doch frisch und voll Spirit, voll Geist und Geheimnis.

Tripotychon / Videoinstallation über dem Altar, BIRD
superart.tv 2001 ,DVD-Loop, 5:11min
Die Videoarbeit „Bird“ von superart.tv (Eric Carstensen und Michael Volkmer), entstanden während eines Stipendiaten-Aufenthalts an der Cité Internationale des Arts in Paris, ist für mich nicht weniger als eine gelungene Neuinterpretation der wichtigsten Darstellungsform der abendländischen Kunst – des Altar- Triptychons. Ein Triptychon, komponiert aus vorgefundenen Situationen, wie sie stimmiger nicht zu arrangieren wären. Da ist zunächst der linke „Flügel“ – die Möwen, gewissermaßen die Geburt, das Leben, die Freiheit – doch bei etwas genauerem Hinsehen entpuppt sich die vermeintlich grenzenlose Freiheit unter den Wolken schon als Anbahnung des Lebens als ewiger Kampf – der Gegenwind treibt die Vögel immer wieder zurück, sie können nicht den geraden, direkten Weg nehmen, nein, in Kurven und Bögen müssen sie versuchen das Hindernis zu überwinden. Oder handelt es sich hier doch nur um ein ausgelassenes Spiel der Tiere? Nein – Die Möwen kämpfen nicht zum Vergnügen mit dem Wind, denn dass sie sich so dekorativ vor der Standkamera tummeln ist einigen Brotbrocken zu verdanken die superart.tv in die Luft geworfen hat um den Fresstrieb der Möwen auszunutzen. Die leicht herabgesetzte Geschwindigkeit des Films erhöht dabei die Dramatik und Theatralik der Szene, macht sie gleichsam dadurch noch „überirdischer“. In der Mitte steht (fliegt) der Mensch – eine junge Frau in der Pose des Gekreuzigten, eingespannt in Gummizüge eines Trampolin-Katapults auf einem Pariser Jahrmarkt, die sie in den Himmel schleudern, nur um sie nach den herrschenden physikalischen Gesetzen bei nachlassender Schubkraft gnadenlos auf den Boden zurückholen. Der vergebliche Versuch den Himmel zu erreichen, sich vom Irdischen zu lösen. Obwohl es der Protagonistin immer wieder gelingt sich nach oben und unten unserem Blickfeld zu entziehen – die Rückkehr in die Mitte (die Unsterblichkeit?) ist doch so gewiss wie das Amen in der Kirche. Die rechte Seite schließlich zeigt den Tod, wieder in Gestalt eines Vogels – ein Mauersegler, einer der sich dem Leben zwischen Hochhäusern angepasst hat. Bezeichnend der Ort seines Todes: Er liegt auf den Holzstufen der französischen Nationalbibliothek in Paris. Der linke Flügel bewegt sich leicht, er winkt uns zum Abschied zu, ähnlich wie der tote Kapitän Ahab nach seinem verzweifelten Kampf gegen Moby Dick seiner Mannschaft winkt. Doch das Leben ist vergangen, es ist wiederum nur der Wind der sich ein letztes Mal des Gefieders bemächtigt. superart.tv beweisen einmal mehr, in Ihrer typischen Methode des „situativen Arbeitens“, wie schon bei Ihren anderen Videoarbeiten (Jessikartoffel, Cashflow, BW11, etc.), ein untrügliches Gespür, Orte und Geschehnisse zu entdecken, aufzuspüren und in unkomplizierter Art und Weise zu komplexen Werken werden zu lassen.
Jean Helmut

Video-Installation beim Eingang: Schnapsvideo
Der Film zeigt ein Waschbecken, verschiedene Schnapsflaschen werden ausgeleert

Videoinstallation Lutopia
Der Film wurde von Dezember 2001 bis Februar 2002 in Ludwigshafen produziert,
Ankauf für die Landes-Kunstsammlung Rheinland-Pfalz im Sommer 2002
Eine in ihren Ausmaßen äußerst umfassende urbane Recherche stellt die Videoarbeit >LUTOPIA> von superart.tv – Eric Carstensen und Michael Volkmer dar. Über die gesamte Dauer des Projekts befragten sie 150 Personen im Alter zwischen sieben und 94 Jahren zu deren Verständnis von >Utopien heute?<. Die Vorgehensweise war dabei immer gleich: Ausschnitthaft wurde von jedem Befragten nur das Gesicht als Kopfbild vor neutralem weißen Hintergrund aufgenommen. Bevor die erste und einzige Frage an den Teilnehmer nach seiner Vorstellung von Utopie, sei es im privaten oder gesellschaftlichen Kontext, gestellt wurde, musste er zuerst 45 Sekunden schweigend vor laufender Kamera stillhalten. Erst dann hatte er freie und unbegrenzte (!) Redezeit, denn von diesem Zeitpunkt an griffen die beiden Künstler nicht mehr ein. Auch das Ende bestimmte der >Redner< selbst. In einem zweiten Schritt schnitten die beiden Künstler aus dem >Rohmaterial< einen 95-minütigen Film, der anlässlich der Finissage im >Village Cinema< in Ludwigshafen seine Premiere hatte. Aus den 150 Interviews wählten sie 70 ungekürzte, nach unterschiedlichen thematischen Blöcken gegliederten Statements aus. Kontrastreich werden die ruhigen Interviewsequenzen immer wieder vom dynamischen Tempo schneller Kamerafahrten durch Ludwigshafen unterbrochen. Ein Film nur für Insider der Stadt? Keineswegs! >LUTOPIA< ist eine spannende Sammlung äußerst aufschlussreicher Statements quer durch die Bevölkerung der Stadt mit gleichzeitig hohem Unterhaltungswert. Ernst, humorvoll, witzig, flapsig, zynisch, wortkarg, mehr oder weniger ausführlich und eloquent gaben die Befragten ihre Meinung kund. Auffallend oft wurden dabei die Lebensbedingungen in Ludwigshafen zum Gegenstand einer differenzierten Kritik.
Barbara Auer


superart.tvsuperart.tv
Eric Carstensen & Michael Volkmer

MV = Michael Volkmer EC = Eric Carstensen

1966 geboren in Ludwigshafen (MV)
1968 geboren in Hennebont/F (EC)
1990–1994 Freie Akademie Rhein-Neckar, Mannheim (MV)
1991-1997 Folkwang-Schule Essen (EC)
2005–2008 Lehrauftrag für Videokunst PH Heidelberg (superart.tv)
2021 Stipendium Kulturwerk der Bild-Kunst (MV)
2020/21 Projektstipendien Rheinland-Pfalz I-III (MV)
2019 Stipendium Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis (superart.tv)
2014 WeldeKunstpreis 20 Jahre WKP (MV)
2013 Mahnmal zum Gedenken an die Opfer der Zwangssterilisation -Mannheim 1. Preis und Ausführung (MV)
2010 Beyoglu bir Sahne, Europäische Kulturhauptstadt Istanbul (superart.tv)
2010 Großer WeldeKunstpreis der Metropolregion Rhein-Neckar (MV)
2009 Kunst am Bau – Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, 1. Preis und Ausführung (superart.tv)
2008 Förderstipendium EHF-Fond, Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin (MV)
2007 Stipendium Kommandantenhaus Dilsberg, RNK (MV)
2006 Aktionskunstpreis der Blickachse Worms-Hernnsheim für das Projekt >Kaldonia< (superart.tv)
2003 Arbeitsstipendium für die Schweiz (superart.tv)
2002/03 Asterstein-Stipendium, Koblenz (MV)
2001 Stipendium Cite Internationale des Arts, Paris (EC)
2001 Förderpreis für Junge Künstler, Mannheim (EC)
1999 Stipendium Deutsch-Französischer Kulturrat (superart.tv)
1998 Burgund Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz (MV)
1998 Förderpreis Ludwig-Roos-Stiftung, Ludwigshafen (MV)

Ausstellungen/Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland, Dänemark, Österreich, Schweiz, Frankreich, Polen, Belgien, Türkei
Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen
Michael Volkmer und Eric Carstensen leben und arbeiten in Winnweiler/Pfalz und Mannheim


Eric Carstensen
1968 geboren in Hennebont (Bretagne)
1991-97 Studium an der Universität GH Essen (Folkwang), Kommunikationsdesign, Schwerpunkte künstlerischer Film, künstlerische Fotografie bei Jürgen Klauke
2005 – 2008 Lehrauftrag für Videokunst PH Heidelberg
www.struempfe-jungbusch.de

Michael Volkmer
1966 geboren in Ludwigshafen
1990 – 1994 Studium der Freien Kunst
2005 – 2008 Lehrauftrag für Videokunst PH Heidelberg
www.michael-volkmer.de
Einzelausstellungen (Auswahl):
2003 Laden Nr.5, Künstlerhaus Schloß Balmoral, Bad Ems | 2004 Spontan, Stuttgarter Kunstverein | 2005 Ministerium für Kultur, Mainz | 2007 Mannheim sagt, Studio Alte Feuerwache, Mannheim, Club 69, Atelier contact, Mannheim | 2008 Stachel der Arbeit, Ernst Bloch Zentrum, Ludwigshafen | 2009 The Eleventh Supper, Galerie Strümpfe, Mannheim | 2010 drink, drive and pray – Kunstverein Mannheim (K), Mannheim sagt – Europäische Kulturhauptstadt Istanbul | 2011 LAMINA SACRA – Konkordien Kirche, Mannheim
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2007 Publik, Schloß Waldthausen (K), 100 Tage-100 Videos, Kunstverein Kopenhagen abgebrannt!, Galerie Zephyr, Reiss-Engelhorn-Museum, Mannheim | 2008 EHF- Stipendiaten, Konrad Adenauer Stiftung, Berlin, Stipendiaten- Ausstellung 800-Jahre Dilsberg, Kommandantenhaus | 2009 Miles and More, Galerie Strümpfe, Mannheim, Eins von allen, Landtag Mainz, Atelier und Künstler, Orangerie Schloss Schwetzingen u.a. (K), Sickingen Kunstpreis Auswahl, Kaiserslautern (K), Was kostet die Welt? Walpodenakademie, Mainz, Art Scout One, Mannheim | 2010 Welde-Kunstpreis, „Die 10 Besten“, Kunstverein Schwetzingen, André Evard Preis Auswahl, Messmer Foundation, Riegel, B- Seite Festival – zeitraumexit, Mannheim, Fremde Heimat – Kunsthalle Mannheim (K), Oase als Phänomen – Kunstpreis der Kulturstiftung der Sparkassen, Karlsruhe, Freiraum Kunsthaus Oggersheim, Ludwigshafen | 2011 ATRIUM – vom Umgang mit Natur in der zeitgen. Kunst, KUZ Das Haus, Ludwigshafen, X-Wohnungen, Projekt Ulrike!, Schillertage Mannheim, A9, Mannheim-Käfertal, Glück, Poly, Karlsruhe, Heilig! Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg (K), Regierungspräsidium Karlsruhe, Augustinermuseum Freiburg, Kloster Hegne, Bodensee
Mehr Informationen unter www.superart.tv
 

Grundsätzlich arbeitet sowohl superart.tv als Duo als auch Eric und ich als Einzelkünstler situativ, mit vorgefundenen Bedingungen, Räumen, Gegenständen oder eben Situationen. Auch das Medium Video interessiert ds duo hauptsächlich als Teil einer Gesamt-Inszenierung. So sind die die beiden Videoarbeiten „Schnaps“ und „Fliege“ jeweils Teil eines Projektes.
Ausgangspunkt des Schnapsprojektes war der Fund eines Buches in einem Antiquariat mit dem schönen Titel „Alle Schnäpse dieser Welt“. 

in den 90ern haben sie mit Videoarbeiten begonnen, um das neue Medium auszuprobieren – neben der Arbeit mit anderen Medien, hauptsächlich Fotografie, Objektkunst, Zeichnung und Rauminstallation.
Das Bewegtbild ist das am besten geeignete Medium für den Flug der Fliege und das Auskippen der Sprituosen. 
Themen, die das Duo beschäftigen sind Mensch, Natur, die wechselseitigen Beziehungen und Beeinflussungen zwischen Mensch und Natur, zwischenmenschliche Beziehungen, Bezüge zur Kunstgeschichte, Abfall, Recycling, das Alltägliche. Vieles ergibt oder entwickelt sich aus Vorangegangenem und Beobachtetem. Anderes entsteht durch gegebene Situationen, z.B. dem Thema einer Ausstellung oder dem Raum (white Cube, Krankenhaus, Fabrikhalle, Kirche) der zur Verfügung steht oder entdeckt wird.

 

Eintritt frei – Spenden erbeten

Details

Datum:
13. März
Zeit:
17:00 - 18:00
Veranstaltungskategorien:
, ,

Veranstalter

Kultur Rhein Neckar e. V.
Telefon:
0621567266
E-Mail:
info@kulturrheinneckar.de
Veranstalter-Website anzeigen

Details

Datum:
13. März
Zeit:
17:00 - 18:00
Veranstaltungskategorien:
, ,

Veranstalter

Kultur Rhein Neckar e. V.
Telefon:
0621567266
E-Mail:
info@kulturrheinneckar.de
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