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Kathartisch erlebter Tod

13. März 2010 @ 0:00

Die Ausstellung und Performance von Eduard Palatin ist zu erleben am Karfreitag 02.04.2010 · 18 Uhr
Philippusgemeinde, Deidesheimerstr. 25, Mannheim-Käfertal
Ausstellung: 02.04. – 03.06.2010
Öffnungszeiten: So. 9.30-12 Uhr, Mi. 9-14 Uhr
und nach Vereinbarung 0621 / 73 31 90
Mit einer Performance in der Philippuskirche am Karfreitag, 2. April um 18 Uhr wird die Ausstellung ‚Kathartisch erlebter Tod‘ von Eduard Palatin eröffnet. Der Künstler setzt sich mit dem Karfreitagsgeschehen auseinander.

Im Kunstcafè am 11. April um 15 Uhr gibt es Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen mit dem Künstler Eduard Palatin über die Performance und seine ausgestellten Kunstwerke ins Gespräch zu kommen. Veranstalter von Performance und Ausstellung sind die beiden Käfertaler Gemeinden Philippus und Union.

Eduard Palatin lebt und arbeitet im Rhein-Neckar-Dreieck in Ludwigshafen und Mannheim. Zu seinem künstlerischen Werdegang gehört die intensive Auseinandersetzung mit Steinbildhauerei, Malerei, Objektkunst und die Beschäftigung mit Kunsttherapie. Palatin ist Schüler von Prof. Andreas Kienlin, Paul Petry und Hartmut Brunnenkant, Alanus Hochschule Alfter. Es folgten Studienaufenthalte in Italien, Spanien und Norwegen. Schwerpunkt seiner Arbeiten sind u.a. religiöse Themen, Gewalt, Missbrauch gegen Frauen und Kinder. Im März 2010 stellt der Künstler seine Arbeiten in Minsk, Weißrussland aus. „Kunst bedeutet für mich, Grenzen zu überschreiten, die Fragen des Lebens auszuloten, stets neue Formen kreativen Schaffens zu entdecken und zu erarbeiten“, so Palatin. „Meine Arbeiten sollen den Betrachter im tiefsten Inneren berühren und wachrütteln …. Meine Objekte, Collagen und ready-mades stehen im Kontext von Gewalt und besitzen eine eigene Aussagekraft und Wertigkeit. Sie sollen verstören, aufschrecken, Betroffenheit auslösen und zum Nachdenken anregen ….. Kunst ist Medizin ohne Nebenwirkungen“.

Bericht im Mannheimer Morgen vom 9.4.10

Performance und Ausstellung von Eduard Palatin in der Philippuskirche
Rostige Nägel gegen das Unrecht

Von unserer Mitarbeiterin Dr. Astrid Mader

Fünfmal dreieinhalb Meter umfasst das massive Holzkreuz, das der Künstler Eduard Palatin dort hingelegt hat, wo der Gemeinde- den Altarraum berührt. Es sind die drei Stufen, die in der Philippuskirche das (gläubige) Kirchenvolk vom Pfarrer trennen. Auf dem Kreuz ruhen drei Nägel, bereit, um in das Holz geschlagen zu werden. Daneben, links, findet sich eine rote Tafel, ein Hammer liegt darauf, wartend, dass er benutzt wird. Rechts sitzt ein Mann, in ein weißes Gewand gekleidet, er sitzt da, wie der Denker Rodins, und doch ganz anders.

Ab und an hebt der Mann den Kopf, blickt ins Leere – oder auf etwas? – wir wissen es nicht. Es ist der Künstler selbst, Palatin, und es ist Karfreitag, wenige Minuten nach sechs Uhr Abend. Um ihn herum, mit einem Sicherheitsabstand, den alle einhalten, man weiß ja nicht, was noch passiert, stehen und sitzen die Besucher der Performance, anlässlich der Vernissage zur Ausstellung ‚Kathartisch erlebter Tod‘. Sphärische Musik ertönt weich und silbern. Ein Chor singt von Ferne ‚Komm Herr Jesus‘, ein Mezzosopran stimmt ein stilles, schlichtes ‚Sanctus‘ an.

Der Mann da vorne neben dem Kreuz kämpft mit sich. Es könnte Jesus am Ölberg sein, aber auch wir, gequält, gefoltert, in übertragener und in ganz realer Hinsicht. Gewalt und Missbrauch sind ein zentrales Motiv für den Künstler Palatin, der im Rhein-Neckar-Dreieck lebt und arbeitet. Viel beschäftigt er sich aber auch mit religiösen Themen. Dann ersterben die Klänge im Kirchenraum, zwei dunkel gekleidete Männer treten auf, verteilen rostige Nägel unter den Zuschauern und treiben anschließend die frischen Nägel in das Holz des Kreuzes; dort, wo die Unterarme, wo die Füße des Gekreuzigten zu liegen kämen.

Am Kopfteil befestigen sie das Schild, auf das Pilatus schreiben ließ: ‚Hier hängt Jesus Christus, der König der Juden‘. Nur stehen die berühmten Buchstaben ‚INRI‘ nicht auf dem Schild. Palatin erklärt dazu: ‚Das rote Brett stammt aus einer ehemaligen Todeskiste einer früheren Installation. Ich habe keine Aufschrift angebracht, weil ich wollte, dass sich jeder angesprochen fühlt, als solcher, der dort am Kreuz hängen könnte.‘ Denn jedem wurde auf irgendeine Weise Unrecht getan.

‚Zugleich wollte ich den Zuschauern aber auch die Möglichkeit geben, zu prüfen, wie weit sie auch zu Tätern an anderen werden könnten‘, fährt der Künstler fort. Deswegen die rostigen Nägel, die ein Symbol für die Verurteilung Christi zum Tode sind. Ob jemand einen Nagel nimmt oder nicht, was er damit macht – das kann jeder selbst entscheiden. ‚Ich will nur, dass sie erkennen, wie sie sind‘, sagt Palatin. Eindrucksvoll sind auch seine großformatigen Bilder: ‚Dornenkrone, Maria als Lichtgestalt, Seelenqualen oder Diamantbewusstsein‘ lauten die Titel.

Details

Datum:
13. März 2010
Zeit:
0:00
Veranstaltungskategorien:
,

Veranstalter

Kultur Rhein Neckar e. V.
Telefon:
0621567266
E-Mail:
info@kulturrheinneckar.de
Veranstalter-Website anzeigen

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