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Heimatmuseum. migrationunderinnerung

28. September 2010 @ 0:00

„Was bedeutet Geschichte als Quelle der Identifikation und Identität in einer Gesellschaft, in der Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Kultur zusammen leben? Wie kommt es zu einem Wir in einer solchen Gesellschaft?“
Johannes Rau, beim Deutschen Historikertag 2002

Jenseits reißerisch geführter Debatten werden auch die kulturpolitischen Konsequenzen des Wandels durch Migration zunehmend diskutiert. In der Einwanderungsgesellschaft sind nicht nur die Eingewanderten in der Auseinandersetzung mit der Geschichte der neuen ‚Heimat‘ gefordert, sondern auch die gesellschaftlichen Institutionen der Erinnerungsarbeit suchen nach einem kompetenten Umgang mit der historischen Vielfalt.

Fragen der kulturellen Anerkennung sind unmittelbar mit Fragen zur Erinnerungskultur verknüpft. Auch wenn die Musealisierung der Migration Konjunktur zu haben scheint, gibt es in Kontrast zur gesellschaftlichen und individuellen Relevanz der Thematik wenig empirische Studien zum historischen Erinnern im Zeichen von Migration und Globalisierung. Ein breites Themenspektrum von ›heritage dissonance‹, „exclusion – inclusion“, geteilter Geschichte gilt es zu durchdringen. Impulse für eine kritische Museumswissenschaft und der Entwicklung von innovativen Museumskonzepten und neuen Formen pädagogischer Vermittlung wollen austariert werden.
Wie verändert sich historisches Lernen in einer zunehmend und dauerhaft diversen Gesellschaft, wie wird die Geschichte von Minderheiten erforscht und präsentiert? In welchem Verhältnis steht sie zur Geschichte der Mehrheit? Gibt es eine gemeinsame Geschichte – und wie sieht sie aus? Wie sehen Heimat- und Stadtmuseen der Zukunft aus?
Seit Mitte der achtziger Jahre gibt eine wachsende Anzahl von Projekten und Ausstellungen, Kongressen und Tagungen auf regionaler und Bundesebene die sich mit der Erforschung von Migrationsgeschichte, ihrer Präsentation und Vermittlung befassen. Die Fachtagung „Heimatmuseum. Migration und Erinnerung“ stellt die Entwicklung der Diskussion in verschiedenen Fachdisziplinen dar und greift Impulse aus dem europäischen und internationalen Raum auf. Fragen zur Sammlungsarbeit werden kritisch reflektiert, Möglichkeiten der Präsentation und Vermittlungsarbeit werden anhand von theoretischen und praktischen Inputs beleuchtet. Chancen soziokultureller Ansätze und Möglichkeiten in der außerschulischen kulturellen Bildung und im Geschichtsunterricht in der Schule werden ausgelotet.
Die Fachtagung will Praktiker inspirieren und vernetzen und Argumente für kulturpolitische Entscheidungen erarbeiten.

Fachtagung migration und erinnerung

Am Donnerstag, 25. November, und Freitag, 26. November findet im Ernst-Bloch-Zentrum in Süd die Fachtagung „migration und erinnerung“ statt. Anette Konrad sprach mit der Organisatorin Eleonore Hefner über Fragestellungen und Zielsetzungen der Tagung.

Die Fachtagung, die in den nächsten beiden Tagen im Ernst-Bloch-Zentrum stattfindet, trägt den Titel „HeimatMuseum. migration und erinnerung“. Was steht im Mittelpunkt der Veranstaltung?
Bei der Tagung geht es um die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Migration. Diese Geschichte ist längst nicht an ihrem Ende angekommen, sie entwickelt sich weiter. Migration ist ein aktuell sehr beherrschendes öffentliches Thema, Migration und Erinnerung ist ein nationales und auch europäisches, ja internationales Thema. Das Bedürfnis nach Erinnerungsarbeit ist groß und die Fragen der Erinnerungsarbeit zum Thema Einwanderung werden weltweit diskutiert. In unmittelbaren Abständen sind einige der Referenten in den nächsten Wochen in Wien und Toronto und Ludwigshafen bei ähnlichen Fachtagungen dabei. Kulturverein Rhein-Neckar e. V. (KRN) hat mit den beiden Ausstellungen „Anellino – Zur Geschichte der Italiener in Ludwigshafen“ (2005 – 2006)und „Frauenwelten“ (2008 – 2009) gezeigt, wie wichtig Projekte zur Geschichte der Migration sind. Die Tagung ist die Chance, sich mit Erfahrungen aus solchen Projekten auseinander zu setzen und sich einen Überblick über anstehende Aufgaben zu verschaffen.

Wie wollen Sie dem Bedürfnis nach Erinnerungsarbeit begegnen?
Musealisierung ist ein Stichwort. Wie wird das Thema Migration in den Stadtmuseen integriert? Was findet sich in den Stadtarchiven? Wie findet die Tatsache, dass ein Drittel der Ludwigshafener Geschichte Einwanderungsgeschichte ist, ihren Niederschlag, zum Beispiel auch im Schulunterricht? Wir wollen versuchen, die anstehenden Aufgaben zu umreißen, Visionen und Ziele entwickeln.

Wie sieht Ihre persönliche Vision zu diesem Thema aus?
Meine Vision war lange ein ForuMigration, eine neue und interaktive und dynamische Form eines Museum zum Thema Migration und Erinnerung rechts und links des Rheins, also in Mannheim und Ludwigshafen zu entwickeln. Das wäre ein Projekt, dass diese Städte, die ja beide stark von Migration geprägt sind, verbindet. Das wäre auch eine starke Vision für die Kulturhauptstadtbewerbung. Unsere Erfahrungen haben mich nachdenklich gestimmt, insbesondere, ob es sinnvoll ist, ein spezielles Migrationsmuseum zu entwickeln. Auch dieser Frage werden wir bei der Fachtagung nachgehen.

Gibt es schon Beispiele, wie ein solches Migrationsmuseum aussehen könnte?
In den letzten 20 Jahren sind weltweit zahlreiche Migrationsmuseen eröffnet worden. In den USA (Ellis Island), Australien und Kanada und etwas später auch in verschiedenen europäischen Ländern. In Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal, Spanien und in Großbritannien wurden solche Einrichtungen geschaffen, um die Weitergabe der Erfahrungen zwischen den Generationen sowie Verständnis aller Bürger über Migrationsprozesse zu fördern. Das Land Rheinland-Pfalz hat ein virtuelles Migrationsmuseum eingerichtet. Das ist eine tolle, lebendige und sich ständig weiter entwickelnde Initiative. Die Tagung wird uns sicher neue Erkenntnisse bringen. Wie kann die Geschichte der Migration lebendig erinnert werden?

Welche Bedeutung hat Migration für Ludwigshafen, für die Ludwigshafener Bürgerinnen und Bürger?
Hier im Rheintal ist Migration quer durch die Geschichte eine Konstante im gesellschaftlichen Leben. Migration, also Emigration und Immigration, prägt auch unsere Geschichte hier vor Ort. Je länger ich mich mit dem Thema befasse, desto bewusster wird mir, dass es kaum eine Familie ohne Migrationshintergrund gibt.

Und deshalb ist Erinnerungsarbeit dringend geboten?
Ja, ich bin davon überzeugt, dass eine gute Zukunft ohne Geschichtsbewusstsein nicht auskommt. Zur Migrationsgeschichte gibt es noch zu wenig Forschung und systematische Archivarbeit. Dabei ist durchaus Eile geboten, wenn man die typischen Zeitzeugen aus den 1950er Jahren noch befragen will.

Infos im Internet:
www.lebenswege.rlp.de
www.heimatmuseum-mrn.de

Details

Datum:
28. September 2010
Zeit:
0:00
Veranstaltungskategorien:
,

Veranstalter

Kultur Rhein Neckar e. V.
Telefon:
0621567266
E-Mail:
info@kulturrheinneckar.de
Veranstalter-Website anzeigen

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