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Freie Künstler in unfreier Zeit

15. Dezember 2016 @ 8:45 - 10:45

‚Der Begriff Samisdat kommt aus dem Russischen und bedeutet Selbstverlag. Er beschreibt die Herstellung und Verbreitung von Texten in den sozialistischen Staaten Ost(mittel)europas ohne offizielle Druckgenehmigung an den staatlichen Zensurbehörden vorbei. Seit Anfang der 1960er Jahre wurde die Herstellung und Verbreitung von illegaler Literatur in der Sowjetunion als „antisowjetische Agitation und Propaganda“ verfolgt. Auch in Polen, der Tschechoslowakei oder Ungarn blieben derartige Aktivitäten nicht ungeahndet. …
‚Man schreibt selbst, redigiert selbst, man zensiert selbst und sitzt auch selbst die Strafe dafür ab.“ Mit diesen Worten brachte der bekannte Dissident Wladimir Bukowski das Phänomen Samisdat auf den Punkt. Der Begriff Samisdat geht auf einen Gedichtband zurück, der 1953 auf einem selbst hergestellten Heft die offiziellen Verlagsangaben mit dem Begriff „Selbstverlag“ parodierte. Stellte dieses Heft des Schriftstellers Nikolaj Glaskow noch eine Kuriosität dar, so gingen, inspiriert durch das Tauwetter unter Chruschtschow, seit Ende der 1950er Jahre einzelne Andersdenkende dazu über, mit Hilfe von Kohlepapier und Schreibmaschinen Literatur abzutippen. Sie hefteten oder banden die entstandenen Durchschläge und reichten sie an vertrauenswürdige Bekannte zur Lektüre oder Abschrift weiter.
In den 1960er bis 1980er Jahren etablierten sich mit Hilfe der Untergrundliteratur durchlässige und wechselseitige Kommunikationszusammenhänge über den Eisernen Vorhang hinweg. Doch die Kommunikation war oftmals so zerbrechlich wie das Butterbrotpapier, auf dem die Informationen geschrieben wurden. Das Risiko staatlicher Verfolgung – von Repressalien im beruflichen Fortkommen bis hin zur Zwangseinweisung in psychiatrische Kliniken und Lagerhaft – bestand bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion für alle, die an der Herstellung oder Verbreitung von Samisdatschriften beteiligt waren.‘
MANUELA PUTZ, decoder(Russland entschlüsseln)

Olga Gleiser
Universität Germersheim, Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft. Geboren 1976 in St. Petersburg /Russland, lebt in Würzburg, Deutschland. Sie arbeitet als Dozentin der Fakultät für Neuere Deutsche Literatur (Würzburg) und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Germersheim, Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft. Sie ist auch als freie Literaturübersetzerin für Russisch und Deutsch und als Redakteurin und Autorin tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der jüdische Witz in der deutschen Literatur, die Geschichte von Sam- und Tamisdat, poetische Sprachspiele, Geschichte und Relation der Begriffe „Freiheit“ und „Sicherheit“ und Probleme ihrer Übersetzbarkeit. Zurzeit arbeitet sie an dem Dissertationsprojekt: „Die Begriffe ‚Freiheit’ und ‚Sicherheit’ als konstituierende Elemente gegenwärtiger deutscher und russischer Mediendiskurse.“

Eintritt frei – Spenden willkommen

Details

Datum:
15. Dezember 2016
Zeit:
8:45 - 10:45
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

Kultur Rhein Neckar e. V.
Telefon:
0621567266
E-Mail:
info@kulturrheinneckar.de
Veranstalter-Website anzeigen

Details

Datum:
15. Dezember 2016
Zeit:
8:45 - 10:45
Veranstaltungskategorie:

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Kultur Rhein Neckar e. V.
Telefon:
0621567266
E-Mail:
info@kulturrheinneckar.de
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