Marco Lalli: Als wäre immer Sonntag

Die Corona-Tagebücher

Donnerstag, 20. Mai 2021, 19 Uhr
Online - Anmeldung unter info [at] kulturrheinneckar.de

März bis Mai 2020: Es sind drei Monate, die die Welt verändern, in denen in Italien Tausende von Menschen sterben und hierzulande das Toilettenpapier aus den Supermarktregalen verschwindet. Die Corona-Tagebücher berichten unaufgeregt aus der Zeit des Lockdowns in einer süddeutschen Stadt. Sie bieten einen ständigen Faktencheck und den Blick über die eigenen Landesgrenzen, vor allem nach Italien, wo das neue Virus sich europaweit zuerst ausbreitet. Sachlich fundiert, sind die Tagebücher gleichzeitig ein sehr persönliches Zeitdokument.
Der Sozialwissenschaftler und Statistiker Marco Lalli veröffentlicht faktenbasierte Analysen zum Alltag im Lockdown in Form eines fiktiven Tagebuchs. Die Corona-Tagebücher sind sowohl Sachbuch als auch Roman, Marco Lalli analysiert Zusammenhänge abstrakt und macht Sie durch die Verknüpfung mit seinen persönlichen Erfahrungen erlebbar.

Zum Autor
Marco Lalli (geb. 1959) ist Sozial- und Umweltpsychologe und hat an der Universität Heidelberg studiert sowie an der Technischen Universität Darmstadt promoviert. Nach vielen Jahren Lehr- und Forschungstätigkeit an deutschen Hochschulen ist er seit 2002 Geschäftsführer und Inhaber der sociotrend GmbH, einem auf Mobilitätsforschung spezialisierten Sozialforschungsinstitut. Er ist zudem bekannt durch seine Ausführungen zum Themenkomplex des autonomen Fahrens.

Publikationnen
Die Himmelsleiter, Tübingen 1996
Die Nacht wird deinen Namen tragen, Bern 2003
Ansichten zu Phönix, Gedichte, Heidelberg, 2011
Der Simulator, Heidelberg 2012
Autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität, Essay, Berlin 2020
Als wäre immer Sonntag – Die Corona-Tagebücher, Berlin 2021

Ein deutsch-italienischer Schriftsteller (von Michele Santoriello, 2000)
Auf den ersten Blick ist Marco Lalli ein typischer Vertreter der 2. Gastarbeitergeneration. Noch in der Heimat geboren, mit sieben Jahren mit den Eltern nach Deutschland gekommen, der Vater Chemiearbeiter in der BASF, die Mutter Hausfrau, mit zwei Geschwistern lebt er in einer Zweizimmerwohnung im siebten Stock eines Hochhauses am Rande von Ludwigshafen. Doch dann schafft er, was nur Wenigen gelingt. Er besucht die deutschen Schulen, erlangt das Abitur, studiert und promoviert schließlich im Fach Psychologie. Mittlerweile ist er Vierzig, hat ein gutgehendes Institut für Sozialforschung und – hier fängt das an, was diese Geschichte zu einer Geschichte macht – schreibt deutsche Bücher.
Gerade ist sein Kriminalroman Die Himmelsleiter im Scherz-Verlag als Taschenbuch erschienen, ein vielbeachtetes Erstlingswerk, dem die Kritiker einhellig bescheinigen, spannend, vielschichtig und sprachlich überaus gelungen zu sein. Eine Meinung, der sich der Verfasser dieser Zeilen nur anschließen kann.
Wie kommt ein Italiener dazu, ein Psychologe zudem, der mitten im Berufsleben steht, deutsche Kriminalromane zu schreiben? Wir besuchen den Autor in seinem Haus bei Heidelberg.
Hier erzählt er uns eine lange Geschichte, ein Großvater, der heimatkundliche Literatur und Kriegsberichte geschrieben hat, ein Vater mit einem Schrank voll selbst verfasster Manuskripte, Mutter, Bruder, Schwester, eine ganze Familie, der das Schreiben Berufung und zugleich Fluch zu sein scheint, Fluch deshalb, weil es vor ihm noch niemand geschafft hat, in einem ernstzunehmenden Verlag veröffentlicht zu werden. (…).