Özdogan, Selim

"Eine schöne Beschäftigung" nennt Selim Özdogan das Schreiben. 1995 debütierte der 1971 in Köln geborene und dort gebliebene Autor mit dem Roman "Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist". Inzwischen liegen vier Bücher von ihm vor, die alle bei Rütten & Loening erschienen sind. Das Werk, auch im Umfang beachtlich für einen Twen, brachte ihm - neben einem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis - Anerkennung von der Art, wie sie einem Speak easy (mit dem etwas besseren Whisky) zu Prohibitionszeiten zukam. Mundpropaganda trägt seinen Namen weiter.
"Ich hatte den ganzen Winter über versucht, das Herz eines Mädchens mit Poesie zu erobern. Ich mußte ständig an sie denken und schrieb jeden Tag Gedichte. Irgendwann überwand ich mich und gab ihr einen Packen fein säuberlich gerippter Seiten. Am nächsten Tag ignorierte sie mich in der Schule und ich konnte mich nicht beherrschen und fragte sie nach der letzten Stunde, wie ihr die Gedichte gefallen hatten.
- Oh, ganz nett, sagte sie, und ich versuchte in die nächsten mehr Feuer, Verzweiflung, Liebe und Sehnsucht zu packen, doch ich konnte sie nicht beeindrucken. Nie würde ich ein Mann wie Borell werden....