Alma Hadzibeganovic im RIZ Cafe Bar

Sonntag, 9. Januar 2003 – 17 Uhr

RIZ Café-Bar, H 7, 38, Mannheim

Moderation: Semira Soraya-Kandan

>> Währinger Straße. Die mieseste U in Wien heißt U 6. Sie fährt die sechste Unterstufe der Arbeitswelt auf der Gesellschaftsleiter. Sauber getrennte Gürtel-Linie, Stammfahrgäste starrmüde.

Im vorletzten Waggon schaut eine auf ihre Levis-Knie, Gipfel der Rocky Mountains. Die Antiordentlichkeit ist ihr Außenzeichen. Momentan scheint sie eingewickelt von Kopf bis Ferse, oder, mit anderen Worten, sie befindet sich im ersten Tag der Regel, ihres Monatszolls. Plötzlich spürt sie einen langen Stich in der Hirnkapsel, eine mikroskopische Giftnadel wandert durch ihre Schultergegend und dann den Arm entlang. Sie dreht sich um und sieht einen unschuldig nach draußen blickenden Mann. Wien ist eine alte Spionen-lounge. Sie wollen sie als Abhörpuppe verwenden. Irgendein Geheimdienst schickt ihr seine Wanzen von Weltpolitikniveau. Doch was könnten sie Brauchbares herausfischen? Das Befinden der Exiljugend, regimeuntreu? Ist sie faschistisch, ist sie kommunistisch, sind die Zustände putschreif, et cetera? <<

Alma Hadzibeganovic wurde 1972 in Brcko (Bosnien-Herzegowina) geboren und studierte ab 1992 Kunstgeschichte in Wien. 1997 erhielt sie für ihren Text “zz00m: 24 Std. mix 1. of me oder Penthesilea in Sarajevo“ den ersten Preis des Literaturwettbewerbs „schreiben zwischen den kulturen“. Nach Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften (z. B. profil) legte sie im Winter 2000 mit „ilda zuferka rettet die Kunst“ ihr erstes Buch vor. Alma Hadzibeganovic lebt in Wien und Utrecht (Holland).